Austernfischer auf einem Pfahl
Jürgen Vrinssen©

Austernfischer

Nachhaltigkeit als Leitgedanke

Die Hal­lig­be­woh­ner ha­ben be­reits in al­ten Zei­ten „nach­hal­tig“ ge­lebt, al­ler­dings ist die­ser Be­griff erst 1992 seit dem Be­schluss der EU zur „Agen­da 21“ brei­ter in po­li­ti­schen Gre­mi­en oder auch den Kom­mu­nen dis­ku­tiert wor­den.

Auf den Hal­li­gen muss­ten die Men­schen mit dem aus­kom­men, was die Na­tur zu bie­ten hat­te und muss­ten auch dar­auf ach­ten, dass die an­ge­bo­te­nen Res­sour­cen sich ge­ne­rie­ren konn­ten. 
Das Trink­was­ser für Mensch und Vieh kam „vom Him­mel“, für die Men­schen lief es auch von den Dä­chern in den Sod, für die Tie­re in den Fe­thing. Brenn- Heiz­ma­te­ri­al kam von der Kuh (Dit­ten) und das Es­sen aus dem Meer oder der klei­nen Land­wirt­schaft.

Was­ser und elek­tri­scher Strom kam erst in den Jah­ren zwi­schen 1950 und 1960 auf die Hal­li­gen.

Was heu­te viel­leicht manch­mal als „aut­ar­kes Le­ben“ ro­man­ti­siert wird, war ein har­ter Über­le­bens­kampf mit der Na­tur und den Na­tur­ge­wal­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund war es für die Hal­lig­be­völ­ke­rung nicht neu, sich auf Zie­le ein­zu­las­sen, die sich mit den sehr spe­zi­el­len Be­lan­gen der Hal­li­gen aus­ein­an­der­set­zen und dazu auch Lö­sun­gen an­ge­bo­ten wer­den.
In der „Nach­hal­tig­keits­stra­te­gie Bio­sphä­re Hal­li­gen“ (Raum & En­er­gie 2010) wur­den in ei­ner um­fas­sen­den Do­ku­men­ta­ti­on auch Ziel- und Pro­jekt­mög­lich­kei­ten auf­ge­schrie­ben, die vor­ab auf den Hal­li­gen ab­ge­stimmt wur­den.

Zahl­rei­che Stu­di­en ha­ben sich in die­ser Zeit mit den Be­son­der­hei­ten und Her­aus­for­de­run­gen der Hal­li­gen be­fasst und mit „Zu­kunfts­vi­sio­nen“ ver­sucht ei­nen Weg in die Zu­kunft zu be­schrei­ben:


Al­len Kon­zep­ten la­gen die Be­stre­bun­gen zu Grun­de auf den Hal­li­gen, die ge­wach­se­nen Struk­tu­ren für ein nach­hal­tig zu Le­ben und wirt­schaf­ten zu un­ter­stüt­zen und fort­zu­schrei­ben.

Nach Jah­ren der auf den Hal­li­gen statt­fin­den­den Work­shops der Bür­ger­be­tei­li­gung zu den ver­schie­de­nen Stu­di­en und Ent­schei­dungs­fin­dun­gen der Hal­lig­ge­mein­den war mit Si­cher­heit (fast) al­len Hal­lig­be­woh­nern der Be­griff „Nach­hal­tig­keit“ ver­traut und ist in den All­tag auf­ge­nom­men wor­den. 

  • Zahl­rei­che Be­trie­be der Hal­li­gen sind jetzt Na­tio­nal­park­part­ner
  • Ver­mie­ter bie­ten ver­mehrt Un­ter­stüt­zung bei der An-Ab­rei­se ohne Auto an.
  • Hal­lig­pro­duk­te, wie But­ter, Milch­pro­duk­te, Ho­nig, Mar­me­la­den, und Fleisch von der Hal­lig gibt es bei den Bau­ern im Hof­la­den (Di­rekt­ver­mark­tung) oder auch beim Kauf­mann auf Hoo­ge (Hal­lig­but­ter)
  • „Fair Tra­de“ Pro­duk­te sind ver­mehrt im An­ge­bot, Hal­lig Hoo­ge ist die ers­te „Fair Tra­de­Hal­lig“.

Der Weg in die Zu­kunft wird nicht ein­fa­cher, Ver­än­de­run­gen der Le­bens­be­din­gun­gen (Um­welt) und Be­völ­ke­rung (Über­al­te­rung), fi­nan­zi­el­ler Druck auf Ge­mein­den und Tou­ris­mus, jetzt kann die Hal­lig­be­völ­ke­rung von dem Pro­zess der Ent­wick­lung der Bio­sphä­re pro­fi­tie­ren und mit Stär­ke aus der ge­lern­ten ge­mein­sa­men Kom­mu­ni­ka­ti­on in die Zu­kunft schau­en.