Austernfischer
Nachhaltigkeit als Leitgedanke
Mit der Anerkennung als Biosphärengebiet verpflichten sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Halligen im Einklang mit der Natur zu leben und nachhaltig zu wirtschaften.
Die Halligbewohner haben bereits in alten Zeiten „nachhaltig“ gelebt, allerdings ist dieser Begriff erst 1992 seit dem Beschluss der EU zur „Agenda 21“ breiter in politischen Gremien oder auch den Kommunen diskutiert worden.
Auf den Halligen mussten die Menschen mit dem auskommen, was die Natur zu bieten hatte und mussten auch darauf achten, dass die angebotenen Ressourcen sich generieren konnten.
Das Trinkwasser für Mensch und Vieh kam „vom Himmel“, für die Menschen lief es auch von den Dächern in den Sod, für die Tiere in den Fething. Brenn- Heizmaterial kam von der Kuh (Ditten) und das Essen aus dem Meer oder der kleinen Landwirtschaft.
Wasser und elektrischer Strom kam erst in den Jahren zwischen 1950 und 1960 auf die Halligen.
Was heute vielleicht manchmal als „autarkes Leben“ romantisiert wird, war ein harter Überlebenskampf mit der Natur und den Naturgewalten. Vor diesem Hintergrund war es für die Halligbevölkerung nicht neu, sich auf Ziele einzulassen, die sich mit den sehr speziellen Belangen der Halligen auseinandersetzen und dazu auch Lösungen angeboten werden.
In der „Nachhaltigkeitsstrategie Biosphäre Halligen“ (Raum & Energie 2010) wurden in einer umfassenden Dokumentation auch Ziel- und Projektmöglichkeiten aufgeschrieben, die vorab auf den Halligen abgestimmt wurden.
Zahlreiche Studien haben sich in dieser Zeit mit den Besonderheiten und Herausforderungen der Halligen befasst und mit „Zukunftsvisionen“ versucht einen Weg in die Zukunft zu beschreiben:
- Masterplan für die Daseinsvorsorge in der Region Uthlande, 1. Teil Halligen und Pellworm. (Raum & Energie 2014)
- Fördermöglichkeiten für die Projekte der Nachhaltigkeitsstrategie Halligen (Staatskanzlei 2010)
- Mobilität und Erreichbarkeit der Inseln und Halligen. (Urbanus 2007, für die Halligen 2014)
- Tourismusentwicklungskonzept Halligen. (NIT 2015)
- Arbeitsgemeinschaft Hallig 2050 (LKN und Melund ab 2014)
Allen Konzepten lagen die Bestrebungen zu Grunde auf den Halligen, die gewachsenen Strukturen für ein nachhaltig zu Leben und wirtschaften zu unterstützen und fortzuschreiben.
Nach Jahren der auf den Halligen stattfindenden Workshops der Bürgerbeteiligung zu den verschiedenen Studien und Entscheidungsfindungen der Halliggemeinden war mit Sicherheit (fast) allen Halligbewohnern der Begriff „Nachhaltigkeit“ vertraut und ist in den Alltag aufgenommen worden.
- Zahlreiche Betriebe der Halligen sind jetzt Nationalparkpartner
- Vermieter bieten vermehrt Unterstützung bei der An-Abreise ohne Auto an.
- Halligprodukte, wie Butter, Milchprodukte, Honig, Marmeladen, und Fleisch von der Hallig gibt es bei den Bauern im Hofladen (Direktvermarktung) oder auch beim Kaufmann auf Hooge (Halligbutter)
- „Fair Trade“ Produkte sind vermehrt im Angebot, Hallig Hooge ist die erste „Fair TradeHallig“.
Der Weg in die Zukunft wird nicht einfacher, Veränderungen der Lebensbedingungen (Umwelt) und Bevölkerung (Überalterung), finanzieller Druck auf Gemeinden und Tourismus, jetzt kann die Halligbevölkerung von dem Prozess der Entwicklung der Biosphäre profitieren und mit Stärke aus der gelernten gemeinsamen Kommunikation in die Zukunft schauen.