Die Geschichte der Halligen

Die Geschichte der land- und menschenvernichtenden Flutkatastrophen und die Geschichte der Halligen sind eng miteinander verbunden. "De grote Mandränke" am 16. Januar 1362 soll ihre Geburtsstunde gewesen sein.
Damals riss die See die sogenannten Uthlande auseinander, überflutete den Hauptort Rungholt und sieben weitere Kirchspiele. Etwa 7.600 Menschen fanden den Tod. Weitere schwerste Sturmfluten in den Jahren 1634, 1717, 1825 und 1962 setzten das Zerstörungswerk fort. Die Burchardiflut am 11.Oktober 1634 zerschlug die hufeisenförmige Großinsel Alt-Nordstrand. Die porösen Deiche brachen an 44 Stellen. 6.000 Menschen und 50.000 Stück Vieh ertranken. Übrig blieben Pellworm, Nordstrand und Nordstrandischmoor.

Doch die Gezeiten schufen neues Land. Denn an verschiedenen Stellen der versunkenen Landschaften wurden nach und nach höher gelegene Landreste bei jeder Tide von Sinkstoffen (vor allem Lehm und Ton) überlagert. Im Laufe der Jahrhunderte wuchsen kleine grüne Eilande mit lockerem Bodengefüge heran. Heute liegen die mittelalterlichen Landflächen bis zu zwei Meter tief unter der Oberfläche.

Gleichzeitig setzte jedoch die See ihr zerstörerisches Werk fort. An den ungeschützten Ecken und Kanten der Halligen, vor allem an der den Stürmen zugewandten Westseite, trugen Wellen und Brandung unentwegt das angeschwemmte Material wieder mit sich fort. Für manche Hallig ein tödlicher Vorgang. Über 100 Halligen sollen zwischen dem 14. Und dem 19. Jahrhundert existiert haben und wieder verschwunden sein, andere wiesen nur noch einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe auf.

Erst in der Gegenwart gelang es, die zehn übrig gebliebenen Halligen zu sichern. Nach der großen Sturmflut von 1962 führte man eine umfassende Halligsanierung durch. Die Halligen wurden mit Steinkanten vor der verhängnisvollen Erosion geschützt. Die Warften wurden verstärkt und erhöht. In den Wohnhäusern wurde ein Schutzraum auf Betonstelzen Pflicht. Neue Anlegebrücken, Zwerg-Schulen und Straßen entstanden.

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Lebensunterhalt - ehemals und heute

Im 17. Und 18. Jahrhundert verdienten viele männliche Halligbewohner als Walfänger und Handelsschiffer gutes Geld auf den Weltmeeren. Das war ein Segen, denn mit Landwirtschaft konnte man sich wirtschaftlich "nicht über Wasser halten". Und das buchstäblich.
Waren doch die Äcker und Fennen (Weiden) viele Male im Jahr überflutet. Man schlug sich mit Grünlandwirtschaft und Schafzucht, mit Fisch- und Krabbenfang durch. Noch bis vor vierzig Jahren etwa heizte man auf einigen Halligen mit "Ditten", Briketts aus dem getrockneten Kot der Kühe. Inzwischen spielt die Landwirtschaft auf den meisten Halligen nur noch eine minimale Rolle. Die Kühe, die man im Sommer auf den Fennen grasen sieht, sind in vielen Fällen "Pensionskühe" von Festland-Landwirten. Sie reisen zu Beginn ihrer Saison per Schiff an und es heißt, sie gedeihen prächtig bei der gesunden Kost im gesunden Nordsee-Klima.

Heute leben die Halligbewohner vor allem von zwei wichtigen Einnahmequellen: Viele Männer sind beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) angestellt und im Küstenschutz beschäftigt. Zudem hat der Tourismus ständig an Bedeutung gewonnen. Vor allem auf den Halligen Gröde, Hooge, Langeness und Oland.

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Wasser und Strom

Noch bis 1970 waren die Halligbewohner auf ihre traditionelle Wasserversorgung angewiesen. Auf jeder Warft gab es mit dem sogenannten Fething ein funktionstüchtiges Sammelbecken, in dem Trinkwasser für die Tiere gespeichert wurde.
Die Fethinge hatten die Form eines umgekehrten Kegelstumpfes und waren so tief wie die Warft hoch. Am Boden befand sich ein Schacht, in dem sich während der niederschlagsarmen Zeit Grundwasser sammelte. Außerdem hatten die Halligbewohner ihren eigenen Brunnen, den Sod - eine abgedeckte Zisterne in Form einer klassischen Milchflasche. Erst 1968 wurde von Pellworm aus eine Wasserleitung durch das Watt verlegt. 1970 hatten alle Haushalte Wasseranschluss. An das Stromversorgungsnetz wurden 1954 als erste Halligen Langeneß und Oland angeschlossen, Hooge erst 1959, Nordstrandischmoor 1975 und Gröde ein Jahr später.

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